Beschränkte Horizonte

Beschränkte Horizonte

Ich lehne mich gern entspannt zurück wenn die Kunden mir schon im ersten Satz meines Beratungsversuches erläutern, dass sie dank ihres Medizinstudiums vor 35 Jahren bestens Bescheid wissen.

Wo ich doch so gern mit Fachwissen glänze!

Meine heutige Kundin murmelt mir bei Rückgabe ihres Restgeldes etwas unverständliches entgegen. Meine Nachfrage erwidert sie mit hochgezogenen Augenbrauen, gepaart mit einem energischen Säufzer. „Schon erschreckend wie viele Menschen nur noch deutsch sprechen können! Das zeugt von einem beschränkte Horizont! Ihnen als Apothekenangestellte hätte ich da schon etwas mehr Grips zugetraut, aber nehmen Sie es nicht persönlich! Viele Menschen können nicht über den Tellerrand hinaus schauen!

Ach übrigens, das war keltisch!“

Ohhhhh Verzeihung! Vermutlich bin ich der letzte Mensch auf Erden der noch nicht fließend keltisch sprechen kann. Da hab ich doch heute nach Feierabend eine schöne Aufgabe! Wenn sie morgen kommt um ihr bestelltes Medikament abzuholen werde ich sie auf keltisch begrüßen. Meine pharmazeutische Penibilität ist gekitzelt!

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Krasser Scheiß

Krasser Scheiß

Bei derartig hipstermäßig auftretenden pubertierenden Erdenmenschen muss ich mich schon sehr zusammenreißen, um nicht aus Versehen auch in deren coolen Slang zu verfallen.

Wenn sie mich fragen wie diese krasse Salbe jetzt so funzt die wir extra angefertigt haben und wieso wir eigentlich alle selbst hergestellten Rezeptoooren in die gleichen Behältnisse packen. (Voll unlogisch!)

Wenn dieses nach bestem Wissen und Gewissen hergestellte Arzneimittel dann noch nach Knete riecht, kann einem schon mal vor Schreck das schlecht auf der Seite hängende Cappi verrutschen!

Der Gesichtsfasching garniert mit abgehackten Bewegungen und einem lauten „Tschuuuuuuus“ zur Verschiedung. Da denkste dir auch „Eh Alta, was du auch nimmst, ändere bitte die Dosis!“

Der Preis ist heiß

Der Preis ist heiß

Wozu eigentlich Preisbindung, UVP und Sonderrabatte? Wieso nicht einfach alles direkt mit dem Kunden verhandeln?‚Was sind sie bereit zu zahlen?! Ja, passt!‘ Handschlag drauf- fertig!

Das würde mir viele Diskussionen ersparen!
Manchmal komme ich mir vor wie auf dem türkischen Basar. „Wenn ich gleich 2 Packungen nehme, wird’s dann günstiger?!“ Werd ich demnächst auch mal im Supermarkt versuchen wenn ich meinen Schoki-Vorrat einkaufe! Vielleicht bekomme ich Mengenrabatt!
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich vorn auf dem HV eine kleine Dose aufstellen, in die jeder einwerfen kann was er gern für sein gewähltes Produkt zahlen würde. Eine Kasse des Vertrauens! Dann könnte ich mir auch das lästige nach vorn laufen ersparen. Einfach nach vorn schreien wo das Medikament liegt und fertig 😀

Kannst du bitte meine Mama anrufen

Kannst du bitte meine Mama anrufen

Ich bin mir ganz sicher, jeder Mann musste schon einmal eine fast tödlich endende Männergrippe durchleiden.Die ganz starken kommen selbst in die Apotheke. Das ist allerdings ein recht selten vorkommender Fall. Meist schicken die langsam dahin siechenden Männer ihre Frau oder Freundin.

Heute allerdings hatte ich einen besonderen Fall. Die Mama wurde geschickt. Man kann sich natürlich leibhaftig vorstellen wie es der armen Frau gegangen sein muss, die ihren todkranken Spross allein daheim lassen musste, um schnell in die Apotheke zu sprinten.
Es gab mal eine schöne Werbung.
Der Mann lag sterbend im Bett und bat seine Freundin doch bitte seine Mama anzurufen.

Aber wozu ein Risiko eingehen? Schließlich kann alles ganz schnell vorbei sein!

Also erzählte mir die Frau augenrollend das ihr armer, 26jähriger grippeerkrankter Sohn nun kurzerhand bei ihr eingezogen war um sich gesundpflegen zu lassen.

Auf die Frage ob ich ihr bitte einen Holzhammer verkaufen kann, musste ich leider schmunzelnd den Kopf schütteln.

Please hold the line

Please hold the line

Mein nächster Kunde betritt die Apotheke und hält mir sein Rezept unter die Nase.
Ein Antibiotikum- der arme!
Eilig laufe ich zum Schub und suche das richtige Medikament heraus.
Sofort beginne ich die Erklärung der Einnahmehinweise. Im zweiten Satz werde ich von seinem Handyklingeln unterbrochen.
Er holt es aus der Tasche, dreht sich von mir weg und beginnt munter sein Telefonat.
-Hey!! Hallo?? Ich war doch noch gar nicht fertig! Hm, womöglich bin ich ja versehentlich unsichtbar geworden?!

Ich rede unbeirrt weiter, schließlich sind die Hinweise wichtig! Er gibt mir mit der Hand ein Zeichen ich solle leiser reden.
-Okay!! Offenbar bin ich nicht unsichtbar und sogar gut verständlich. Nun gut, warte ich eben. Habe ja eh nichts anderes zu tun..

Endlich ist er fertig, er schaut mich auch wieder an und fragt dann (etwas provokant) „wollen Sie mir nicht noch irgendwas dazu erklären?!“
Aber natürlich! Mit einem zuckersüßen Lächeln beginne ich meine Beratung erneut, schließlich habe ich den Tag herumgesessen und nur auf ihn gewartet. Meine Finger schmerzen auch schon vom stundenlangen Däumchen drehen!
Aber so langsam wird es dann doch Zeit für die nächste Kaffeepause!…