Wir talken normal 

Wir talken normal 

„Ich hätte gerne ein Antihistaminikum, das nicht ganz so tired macht.“Hat sie das wirklich gesagt, oder träume ich grade? Von einer Dimension, in der wir alle so reden, wie uns der nice Schnabel gewachsen ist. Keine question, diese Kundin ist fly am been. Vong style und Ausdrucksweise her. Wie nun angemessen reagieren?

„Ich werde Ihnen mal showen, was wir da so haben. Diese Tabletten hier helfen straight und tight, um die Allergie down zu calmen.“

Was ist das für 1 doitsch? Ich weiß es auch nicht. 

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Haare und Malz verloren 

Haare und Malz verloren 

Diese speziellen Kunden, die immer so unkonventionell aussehen.. Ihr wisst, was ich meine. Die kommen direkt vom Bioladen um die Ecke und schleppen tonnenweise Gemüse durchs Viertel, weshalb wir sie liebevoll „Lauchkundschaft“ getauft haben. Ich freu mich meist, wenn sie ihre kleinen Ableger namens Alfons oder Inghard im Schlepptau haben. Da ergeben sich dann gerne mal grundlegende Erörterungen, auch rund ums Fachpersonal. 

Kleiner Lauch (guckt mich dabei an): „Ist das ein Mann oder ne Frau?“

Lauchmutti: „Eine Frau, das siehst du doch an den Augen, den Ohrringen. Und natürlich am Busen!“ 

Ich überlege noch, ob ich mich geschmeichelt fühle. 

Phantomsymptom

Phantomsymptom

Ich liebe ja selbstgegooglete Diagnosen! Wer könnte es auch besser wissen als Dr. Google? Der weiß doch einfach alles! Wozu studieren wenn es auch die Suchmaschiene tut.Meine heutige Kundin machte mich allerdings etwas ratlos. Sie wollte etwas für ihren Freund. Der hat ganz schlimme Beschwerden, die aber eigentlich keine sind… Aber er spürt das etwas da ist – oh ja, das wird spannend, dachte ich mir.

Sie erzählte mir das in seinen Nebenhöhlen seit 8 Wochen fröhlich Bakterien wohnen, die sich nun auf den Weg in die Bronchien gemacht hatten. Die Bronchien sind ganz doll entzündet aber es äußert sich nicht. Kein Husten, keine Atemnot, kein Engegefühl, keine anderen Beschwerden- einfach nichts! Boar! Da war selbst der Dr. Google ratlos. (Ich frage mich eh was man in diesem Fall wohl in die Suchmaschiene einklimpert) Beim richtigen Arzt war er auch schon, der wollte allerdings nichts verschreiben, da sowohl Bronchien als auch Nebenhöhlen frei sind. 

Seine Diagnose lautete: „gesund“

Die Kundin war darüber allerdings total empört, das könne ja wohl nicht sein! 

Was rät man nun jemanden der eigentlich nichts hat aber unbedingt etwas linderndes kaufen will… Kannst ja auch nicht sagen „herzlichen Glückwunsch, ihr Freund ist gesund und bildet sich alles nur ein“.

Eine Tüte Bonbons und ’ne Packung Tee später war die Kundin glücklich und fühlte sich verstanden, was will man mehr!

Verwunderung und Kopfschütteln bereitete mir das ganze aber dennoch…

Al di schönen Kunden…

Al di schönen Kunden…

„Waas, fünf Euro Zuzahlung?! Das Medikament war IMMER frei. Dann nehm ich das nicht, ich geh woanders hin!“ Ach Gottchen. Ein akuter Fall von Krassizitis. Gekennzeichnet durch Erklärungsresistenz im Endstadium. 

Ich kann nicht so mega-engagiert opponieren, weil ich selbst noch geschwächt bin von meinem wöchentlichen „schnell-noch-vor-der-Arbeit-zum-Aldi“-Trip. Da stehe ich an der Kasse auch immer kurz vorm Nervenzusammenbruch, so wie mein hochroter Kunde in der Apotheke gerade. Ich will am liebsten vier Arme haben, um den Berg abzutragen, den diese außerirdisch flinke Kassiererin vor der Kasse anhäuft. Um alles superschnell aufs Laufband zu schleudern, hab ich mir vorher schon halb den Rücken gebrochen- diese Einkaufswagen sind so riesig und unförmig. Und dann ramsche ich den Kram völlig unsortiert wieder zurück in die Karre, um nachher schweißgebadet die plattgedrückten Joghurtbecher über dem Brot einzutüten. 

Deshalb bin ich heute nicht in meiner Premiumversion verfügbar. Upgrade für 30 nette Patienten wöchentlich.

Die nächste Kundin nimmt Rücksicht und möchte mich garnicht mit Fachangelegenheiten belästigen: „Was kostet der gelbe Regenmantel bei Ihnen im Schaufenster?“ 

Testphase 

Testphase 

Ich gebe zu, mittlerweile kann ich diese Sätze schon singen, aber da ich das sowohl den Kollegen als auch den Kunden ersparen möchte, erkläre ich dem Herrn vor mir nun noch einmal ganz in Ruhe wieso ich böse Apothekenangestellte die rezeptpflichtigen blauen Wunderpotenzpillen nicht einfach ohne entsprechende Verordnung rausrücken kann. Doch Not macht ja bekanntlich erfinderisch, ist ja nicht so als hätten wir nichts da. Ich empfehle ihm also stattdessen die pflanzliche und freiverkäufliche Alternative. Doch so schnell will der gute Herr sich nicht überzeugen lassen!

 „Haben sie damit denn auch Erfahrung? Hilft das denn wirklich?!“ 
Selbstverständlich haben wir Erfahrung! Hallo! Natürlich werden ALLE Medikamente, Salben, Tee’s, etc. vorher ausführlich von uns selbst getestet bevor wir sie zum Kauf anbieten. Doch leider befinde ich mich momentan in der „Fühl die Energie- Tee Testphase“ und kann nicht weiter helfen… Ich hätte ihn nur allzu gern vertrauensvoll an meinen Kollegen verwiesen, doch der ist vorübergehend krankgeschrieben… irgendwas mit Dysfunktion… 

Vong Diagnose her

Vong Diagnose her

„Also. Kennen Sie sich damit aus, was Ärzte so machen?! Der Doktor hat mir hier so einen komischen Streifen ins Ohr gesteckt, also ich weiß ja auch nicht.“

Hehe. 

Oder auch: „Der Arzt hat gesagt, ich hab Neurodermitis. Aber ich glaub das nicht!“

Lieber Arzt. Was krieg ich dafür, wenn ich deinen Patienten lieb und geduldig davon überzeuge, dass du recht haben könntest?;)

Ich bestelle auch komplizenhaft das Medikament, das von dir verordnet wurde. 

„So, das ist dann gegen um drei für Sie da.“

„Um drei?? Oh nein, da kann ich nicht, ich schaffe es frühestens um vier!“

Hmm. Dann isses wohl schon wieder weg. Diese kleinen Pillenpackungen sind extrem flink und immer so in Eile. Aber wenn Sie sich sputen, erwischen Sie ihr Arzneimittel vielleicht gerade noch am Beipackzettel, drüben auf der Kreuzung, auf dem Weg zur Arztpraxis. Die alte Petze. 

Machen Sie etwa schon zu?

Machen Sie etwa schon zu?

Montagabend, 18.30Uhr- Feierabend! Ha! Denkste! Ich war schon auf dem Weg zur Tür und schon fast mit dem Finger am Knöpfchen angelangt da schnipst noch schnell eine lautstark telefonierende Kundin rein. Statt eines ‚Guten Abend‘ schnauzt sie mir ein ‚Machen Sie etwa schon zu?!‘ entgegen. Schwups hat sie mir auch schon eine ganze Hand voll Rezepte Ihrer Kinder auf den Tisch gekracht. Kein Problem, ist ja nicht so als hatte ich heute noch etwas vor. Nachdem ich alles fein eingetippt, aus den Schüben gesucht und auf dem HV-Tisch aufgestapelt habe empfinde ich es als äußerst wichtig ihr die Dosierungen der verschiedenen Antibiotika zu vermitteln. Sie denkt allerdings überhaupt nicht daran ihr Telefonat zu beenden. Hm, ihre beschriebenen Excel Tabellen können doch aber wohl kaum wichtiger sein! Ich entschließe mich einfach los zu reden. Ich erzähle also laut und deutlich wie sie die Antibiotika bei Ihren Kindern anzuwenden und zu dosieren hat. Ich ernte einen bitterbösen Blick und eine abwinkende Handbewegung. Genervt fragt sie ob wir nun fertig sind. Als ich nicke ramscht sie alles in ihre übergroße Handtasche und stürmt von dannen. ‚Ihnen auch noch einen schönen Abend‘ rufe ich ihr hinterher als ich endlich die Tür schließe und in meinen, wie ich finde, wohlverdienten Feierabend aufbreche.