Wer schleimt, kommt weiter 

Wer schleimt, kommt weiter 

Ich kultiviere auch meine Wissenslücken und stehe zu ihnen, seit ich mich im Studium vom Lernen aufs ordnerweise Durchlesen verlegt habe. Regelmäßig träume ich schlecht von nichtbesuchten wichtigen Seminaren und überraschenden Prüfungen, die ich unvorbereitet antreten muss, aber ich weiß garnicht, welche Straßenbahn ich nehmen muss, um dorthin zu kommen, uaah. Aber manche Lücke wird auch hin und wieder gefüllt und dann ist es so schön, als wärs eine bestandene Klausur:)
Heute durfte ich auch was ganz fundamentales dazulernen. Meine Kundin fragte nach einem Schleimlöser und erklärte mir, dass sie einen ganz milden bräuchte. Weil: sie hat gelesen, dass Schleimlöser nicht gut für Frauen sind. Also für die Gebärmutterschleimhaut. 
Uiuiui. Ich bin ja der visuelle Typ. 
Vor meinem inneren Auge Bilder von sich auflösenden Schleimhäuten im GANZEN Körper!!! 

Ich kann euch sagen, da war ich schon erschrocken über das kontinentale Ausmaß meines Nichtwissens. Und ich habe auch garnicht erst versucht, es zu überspielen. Nein, ich habe geschworen, dass ich das googeln werde. Hab ich später auch gemacht. Und siehe da- ich fand in einem

Forum mal wieder Fakten, Fakten, Fakten! Die les ich mir bis nächste Woche noch dreimal durch, versprochen.

Chillimilli oben ohne

Chillimilli oben ohne

Hautkontakt soll ja das Wohlbefinden steigern. Meine eigene kleine nichtrandomisierte und offenen Auges durchgeführte Studie an wohlgeformten Kundenrücken bestätigt dies uneingeschränkt. Ich klebe gern Wärmepflaster auf, offen gesagt. Ja, ich bringe Männer dazu, in der Offinzin ihr Poloshirt auszuziehen. Mit Nachdruck, wenn es sein muss. Vor allem, wenn es rosafarben ist und der Träger eingangs eine „Salbe mit Chilli“ verlangt hat. „Aber die stärkere, die andere ist ja für Hausfrauen.“ Empörtes Auflachen des Fachpersonals. Tss. Der hat offenbar noch nie „Desperate Housewives“ gesehen. Aber wir Frauen sind ja gewieft und bekommen immer, was wir wollen. Erst recht im schwesterlich-feministischen Geiste der Ehrenrettung aller Hausfrauen. Am Ende des vollkommen sachlich und unabhängig geführten Beratungsgespräches haben wir also einen freien männlichen Oberkörper im Verkaufsraum und stellen klar, dass Apothekenpersonal auch super gern praktisch behilflich ist. Da kommt der nächste Kunde hereinspaziert: „Ich brauche bitte einen Einlauf!“ Nunja. Man muss auch delegieren können.

Gute Laune ist rezeptfrei

Gute Laune ist rezeptfrei

„Raten Sie, wie alt ich bin!“

Ok.. dieser saftige Herr muss bestimmt mehr als 80 Lenze zählen.
Ich mit fester Stimme: „76.“
Er strahlend:“Ich bin 84!“
Da braucht er gleich nur noch die halbe Dosis von all seinen Medikamenten, juchu.

Und dann bekomme ich auch noch meine Tagesration:
„Sie sind eine, eine, eine schöne…!“ (Ohje, was meint er denn? Eine schöne Portion Frau, die gut im Futter steht?)
„Haben Sie einen Freund? Ich habe da nämlich einen Sohn. Dem Alexander werde ich Bescheid sagen: ‚Die Tante arbeitet in der Apotheke!‘ Hehe.“

Mannmannmann. Ich gehe nur noch zögerlich in den Handverkauf.
Bei jedem: „Ich will eine Creme gegen Arschbrennen!“ oder „Einmal Schmerztabletten. Sie brauchen nichts zu sagen, ich weiß, was ich tue!“
rechne ich mit einer Heimsuchung durch Alexander den Kranken.

Wir talken normal 

Wir talken normal 

„Ich hätte gerne ein Antihistaminikum, das nicht ganz so tired macht.“Hat sie das wirklich gesagt, oder träume ich grade? Von einer Dimension, in der wir alle so reden, wie uns der nice Schnabel gewachsen ist. Keine question, diese Kundin ist fly am been. Vong style und Ausdrucksweise her. Wie nun angemessen reagieren?

„Ich werde Ihnen mal showen, was wir da so haben. Diese Tabletten hier helfen straight und tight, um die Allergie down zu calmen.“

Was ist das für 1 doitsch? Ich weiß es auch nicht. 

Haare und Malz verloren 

Haare und Malz verloren 

Diese speziellen Kunden, die immer so unkonventionell aussehen.. Ihr wisst, was ich meine. Die kommen direkt vom Bioladen um die Ecke und schleppen tonnenweise Gemüse durchs Viertel, weshalb wir sie liebevoll „Lauchkundschaft“ getauft haben. Ich freu mich meist, wenn sie ihre kleinen Ableger namens Alfons oder Inghard im Schlepptau haben. Da ergeben sich dann gerne mal grundlegende Erörterungen, auch rund ums Fachpersonal. 

Kleiner Lauch (guckt mich dabei an): „Ist das ein Mann oder ne Frau?“

Lauchmutti: „Eine Frau, das siehst du doch an den Augen, den Ohrringen. Und natürlich am Busen!“ 

Ich überlege noch, ob ich mich geschmeichelt fühle. 

Al di schönen Kunden…

Al di schönen Kunden…

„Waas, fünf Euro Zuzahlung?! Das Medikament war IMMER frei. Dann nehm ich das nicht, ich geh woanders hin!“ Ach Gottchen. Ein akuter Fall von Krassizitis. Gekennzeichnet durch Erklärungsresistenz im Endstadium. 

Ich kann nicht so mega-engagiert opponieren, weil ich selbst noch geschwächt bin von meinem wöchentlichen „schnell-noch-vor-der-Arbeit-zum-Aldi“-Trip. Da stehe ich an der Kasse auch immer kurz vorm Nervenzusammenbruch, so wie mein hochroter Kunde in der Apotheke gerade. Ich will am liebsten vier Arme haben, um den Berg abzutragen, den diese außerirdisch flinke Kassiererin vor der Kasse anhäuft. Um alles superschnell aufs Laufband zu schleudern, hab ich mir vorher schon halb den Rücken gebrochen- diese Einkaufswagen sind so riesig und unförmig. Und dann ramsche ich den Kram völlig unsortiert wieder zurück in die Karre, um nachher schweißgebadet die plattgedrückten Joghurtbecher über dem Brot einzutüten. 

Deshalb bin ich heute nicht in meiner Premiumversion verfügbar. Upgrade für 30 nette Patienten wöchentlich.

Die nächste Kundin nimmt Rücksicht und möchte mich garnicht mit Fachangelegenheiten belästigen: „Was kostet der gelbe Regenmantel bei Ihnen im Schaufenster?“ 

Vong Diagnose her

Vong Diagnose her

„Also. Kennen Sie sich damit aus, was Ärzte so machen?! Der Doktor hat mir hier so einen komischen Streifen ins Ohr gesteckt, also ich weiß ja auch nicht.“

Hehe. 

Oder auch: „Der Arzt hat gesagt, ich hab Neurodermitis. Aber ich glaub das nicht!“

Lieber Arzt. Was krieg ich dafür, wenn ich deinen Patienten lieb und geduldig davon überzeuge, dass du recht haben könntest?;)

Ich bestelle auch komplizenhaft das Medikament, das von dir verordnet wurde. 

„So, das ist dann gegen um drei für Sie da.“

„Um drei?? Oh nein, da kann ich nicht, ich schaffe es frühestens um vier!“

Hmm. Dann isses wohl schon wieder weg. Diese kleinen Pillenpackungen sind extrem flink und immer so in Eile. Aber wenn Sie sich sputen, erwischen Sie ihr Arzneimittel vielleicht gerade noch am Beipackzettel, drüben auf der Kreuzung, auf dem Weg zur Arztpraxis. Die alte Petze.