Die Kunst ist frei (Richard Wagner)

Die Kunst ist frei (Richard Wagner)

Das dachte sich auch die Minikundin die sich heimlich, still und leise an unseren Make-up Testern zu schaffen machte, während ich die Mama über Chemikalien zur Entfernung hartnäckiger Flecken beriet. 
Welche Ironie, denn als Töchterchen aus der Kosmetikecke gestiefelt kam, die Arme ausbreitete und laut „demaaaalt“ rief, schlug die Mama die Hände über dem Kopf zusammen. Das hübsche hellblau-weiß gestreifte Kleidchen, sowie Arme, Beine und Gesicht der kleinen waren mit dunkelbraunen Fingerabdrücken und Streifen übersäht. Genauso alle Glasböden unseres Regales, Schubfächer und Bodenfliesen. Sogar ihr kleines Plüschschweinchen hatte seine hübsche hellrosa Farbe in sattes Matschbraun gewechselt. Sie hatte mit ihren kleinen Fingern regelrechte Furchen durch den Tester gebohrt und sich und die Apotheke dann mit Make-up „verschönert“. Die kleine war vollkommen zufrieden mit ihrem Werk und grinste im Kreis. Nachdem die Mama und ich ziemlich lange um die Wette geputzt haben (sie ihr Kind und ich unsere Regale) rief die kleine laut „nicht abmachen!“ Ja, Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. 

teatime

teatime


Wenn Stress droht, wenn ein Kunde quer liegt, wenn die Sonne streikt- erstmal Tee trinken. Es gibt für alle Zipperlein den passenden Aufgussbeutel. Liegestuhltee, Pullertee, fühl dich leicht mit dem Federtee, spüre die Energie! Wir sind Rooibos- und Pfeffiteejunkies, Ziehzeitabhängige. Und wenn auf die Nachfrage nach dem aktuellen Kräuterbedürfnis aus allen Ecken der Apotheke ein lautes „Fak!“ zurückhallt, dann weiß die Fachfrau, dass damit lediglich die darmentspannende Wirkung der köstlichen Komposition von Fenchel, Anis und Kümmel gepriesen wird.

What a feeling

What a feeling

„Haben sie Erfahrung mit diesen Kondomen hier? Ultradünn? Sind die auch wirklich gefühlsecht? Wissen Sie, ich muss heute ja eh welche kaufen, wir brauchen dringend neue, aber ob man hier einen Unterschied merkt? Vielleicht fühlen die sich besser an. Also, meinen Mann würde es sicher freuen..“ Die normalen reiben nach einer Weile immer so. *kopfschiefhalt* *grins*

Vielen Dank, für diese umfassenden Informationen zum Montag Morgen liebe Kundin, mein Kopfkino hat endlich neuen Stoff! 

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Unsere Kunden haben ja schon immer die tollsten Anliegen. Sei es Zecken aus Genitalbereichen entfernen, Leberflecke begutachten oder Splitter aus kleinen Kinderhänden operieren. Alles am liebsten jetzt gleich, sofort und natürlich kostenfrei! Zum Arzt gehen? Nein, wieso? Anscheinend erwecken diese blütenweißen Kittel auch den Hauch von ärztlicher Kompetenz. Ich bin immer wieder erstaunt was uns die Leute zutrauen, daweile dürfen wir noch nicht mal blutige Knie „verarzten“. Doch mein nächster Kunde schießt (umgangssprachlich ausgedrückt) den Vogel ab. Nachdem er ausführlich erklärt haben möchte welche Nebenwirkungen denn auftreten können wenn er sich seine Warze am Knie wegoperieren lässt, stellt er sehr richtig fest das man dafür dann wohl einen Termin beim Hautarzt ausmachen muss. Das möchte er dann jetzt gleich mal tun. Schwups hat er mir seinen Terminkalender auf den HV-Tisch gepackt und fängt wild an zu blättern, „also nächste Woche könnte ich- wie sieht es da bei Ihnen terminlich aus?“ Großer Gott, denke ich mir. Seit wann führen Apotheken operative Eingriffe durch? Ich stelle mir meine Kollegin vor, wie sie mit einem Skalpell in der Hand ruft, „Herr XY in Behandlungsraum 2 bitte, Sie können sich schonmal frei machen, ich trinke nur noch meinen Kaffee aus, dann kann es losgehen“ Ich muss grinsen, erkläre ihm dann aber ruhig das sich der Hautarzt eine Etage weiter oben befindet und er dort nachfragen muss. Wo der Hautarzt ist weiß er, möchte aber partout nicht einsehen, wieso er den Termin nicht gleich bei mir machen kann. Schließlich befindet er sich doch direkt über uns. Etliche Erklärungsversuche und Unverständnis seitens den Kunden später hat er es (so glaube ich) dann aber doch verstanden und geht. Ich ziehe in Erwägung meinen weißen Kittel bald gegen hübsche Grüne OP-Kleidung zu tauschen, passt eh besser zu meiner Augenfarbe! 

Der beste Freund des hartgesottenen Apothekers

Der beste Freund des hartgesottenen Apothekers

Es gibt Kunden, die jagen einem schon beim Eintreten Schauer über den Rücken. Die Dackelfrau. Immer eine krasse story in der Hundetüte. Sie hat uns netterweise schon vieles erklärt; zum Beispiel, dass es auf Leberprobleme hindeutet, wenn der Hund aus dem Ohr nach Urin riecht. Womit man Tieren den Rachen einpinseln kann. Und, dass die Wiese vor ihrem Haus mit Arsen verseucht ist. Deshalb hat der kleine Liebling neuerdings Schaum vor dem Mund, der aussieht wie Eischnee. Megaschauer. Sie hat die Hundespucke in einer Tüte gesammelt und führt sie mit sich. Schüttelfrost… Aber das war ja klar. Ohne dieses happening für die Sinne wäre der Tag vor die Hunde gegangen. Sie möchte den Speichel im Labor untersuchen lassen. Ich wünsche viel Erfolg und den Laboranten ein dickes Fell. Wuff.

Nur noch kurz die Welt retten

Nur noch kurz die Welt retten

Wie konnten wir es nur wagen als einzigstes Geschäft der Welt Gebühren für Plastiktüten einzuführen. Vollkommen logisch das die Leute motzen! Als ich dem Kunden die horrende Summe von 0,10€ nenne, wird wild drauf los geschimpft! „Saftladen! Eine Unverschämtheit!“ Mit einem bitterbösen Blick schnappt der Kunde sein Medikament und rennt kopfschüttelnd nach draußen. Joooo! Sich verabschieden wäre nach solch einem Vorfall auch echt zu viel verlangt gewesen! Ich werfe ihm einen imaginären Luftkuss zu und denke „Keep calm and save the pandas, bitch🐼“
Ein klein bisschen stolz bin ich nämlich schon, eine Plastiktüte weniger, die früher oder später im Meer schwimmt. 

Make me smart, pls

Make me smart, pls

Die allerschlauesten Kunden behandeln sich ja selbst mit den wirksamsten Wundermitteln. Da werden infektiöse Stellen einfach mit Alkohol betupft und dubiose Kräutermischungen helfen für und gegen alles. Zahnpasta bringts im Zweifel auch. Wir dürfen dann allenfalls als Verkäufer fungieren, denn Einspruch ist in den meisten Fällen echt nicht gefragt. Als kürzlich ein mittelalter Heilkundiger eine kritische pilzbefallene Zone seines empfindlichen Körpers mit einer Zinksalbe behandeln wollte, überwand ich mich und brachte zaghaft hervor, dass diese eventuell nicht so supicool geeignet sei. Ja, leider hab ich das wortwörtlich so formuliert. Ich fühlte mich ja eh schon so dümmlich, weil mir das nicht als Therapiemöglichkeit erster Wahl eingefallen war. Und er dann so: „Supicool??!?! Supicool??… Achsoooo! Supicool! Ich dachte jetzt, das sei ein Fachwort!“ Mein Gott. Natürlich ist das ein Fachwort!! Das ist meine professionelle Umschreibung für „Was ist das denn schon wieder für ne bekloppte Idee?!“. Trotzdem ,ey. So doof kam ich mir zuletzt vor, als ich frisch vom Studium kam, Examen in der Jeanstasche, und nichmal wusste, welchen Hustensaft ich abgeben soll. Hätte aber den Syntheseweg der pflanzlichen Hauptwirkstoffe aufmalen können. Supicool, wa?