Alta Vawalta!

Alta Vawalta!

Klar kannst du mich einfach duzen, ich find das voll nice! Aber texte mich nicht zu. Geh bei Grün!
Ich muss das Rezept noch dechiffrieren, von der Klaue deines Docs krieg ich voll Augentinnitus! So, bin on the run, um dir deine Pillen zu verchecken. Isch schwör, Du hast den Swag! Yeah, lass mich dein dealer sein, alles easy!

Vorsicht, krasses Krampfadergeschwader von links hinten!

C’monnn, zum Abschied die Ghettofaust! Ich meine, YOLO, check das aus, Bro!

Und wenn dein megacooler Kumpel mit dem verkehrt herum aufgesetzten Basecap nicht diese Großpackung Meerschweinchenstroh vom Drogeriemarkt hier im Block im Arm gehalten hätte…    hätt ich Euch die Nummer voll abgekauft.

Ey, voll krass viele Ausrufezeichen, ey.

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Aber hallo!

Aber hallo!

Manchmal lehne ich mich entspannt zurück, und lasse die Kunden sich gegenseitig beraten. Wenn der Herr mit der reizenden Nickelbrille sich empört ins Beratungsgespräch mit Frau Ängstlich einmischt und uns wegweisende Studienergebnisse aus dem Kopf rezitiert (es war ein Selbstversuch, randomisiert und doppelt verblindet), UND auch gleich mit vollkommen überzeugend vorgetragenen Alternativvorschlägen aufwartet, dann koche ich mir im Geiste erstmal einen schönen Tee.

Er hat sich da schließlich belesen, kennt alle Verschwörungstheorien und lässt sich hier kein X für ein U vormachen.

Dieses überflüssige Studium hätte ich mir wirklich schenken können! Leider weiß ich erst jetzt, wo man die wirklich fundierten Gesundheitstipps findet: in Internetforen! Gleich mal gucken, ob ich da meine Kompetenz erweitern kann.. Ich hatte doch in meiner Schreibtischschublade ausgedruckte Infos über so ein Aufbaustudium.. „Master of Arts of Science of Internethysterie“ oder so… Oh, hier ist der Notizzettel mit meinem Einhornnamen 🙂 Ich schweife ab.

Endlich!

Endlich!

„Wissen Sie, wie Milben aussehen? Ich hatte sowas Komisches am Auge; hier – ich hab das mal für Sie in Tesafilm eingeklebt.“  
Wohoo! Ich kann meine Begeisterung kaum verbergen, denn dieses exotische Exemplar hat mir ja noch gefehlt in meiner Klitzekleine-fiese-Schädlinge-in-Klebeband-Sammlung!

Es war übrigens eine waschechte Laus. Mich überkam gleich der übermächtige Drang, mich ausgiebig überall zu kratzen.

Apothekenbingo

Apothekenbingo

Wundert Euch nicht, wenn Ihr irgendwo in einer Apotheke steht und im geheimnisvollen Schlund des hinteren Gewölbes, der hinter dem Zentralalphabet beginnt, ruft jemand vom Fachpersonal plötzlich laut „Bingo!“.Dann ist im Verkaufsraum wieder einer der folgenden beliebten Sätze gefallen, wie es aufgrund geheimer Absprachen oder genetischer Programmierung (?) im ganzen Land täglich unzählige Male geschieht:

„Ich hätte gerne einmal ratiopharm!“

„Hier – ich möchte gern dieses Rezept.“ (… wenn das Personal gut gelaunt ist, schiebt es das Rezept einfach verschmitzt wieder zurück über den Tisch 🙂 )

„Können Sie sehen, ob eine andere Apotheke das da hat?“ (Moment, ich hole eben meine Kristallkugel. Die synaptische Verbindung im intergalaktischen Kollektiv spinnt grade.)

„Bitte einmal Folgendes. Aber nur, wenn Sie’s gleich dahaben!“

„Ich wollte doch nicht gleich die ganze Apotheke kaufen!“

„Das müssen sie mir dann aber bringen!“

„Ich hätte gern das Mittel aus der Werbung.“, auch gern in der Variante „Na die grüne Packung “ oder „Sie wissen schon, die kleinen weißen Tabletten.“

„Gibt’s schon/noch Kalender? Och, keine schmalen/breiten/mit Pflanzen/Garten/Küche/Hunden/Katzen/Planeten/seltenen Sitticharten..???!“ (Klar, hab ich alles hinten in unserem riiesigen Lager für Druckkunst. Suche ich Ihnen raus, kann aber dauern!)

„Ach, da gibts verschiedene Größen? Hm.. ich soll’s nur mitbringen. Warten Sie, ich ruf mal schnell zu Hause an“ und schwupps – bekommt man ein fremdes Handy ans Ohr gedrückt.

„Heute nur die Literatur! / Apotheken“rundschau“ / Rentnerbravo “

„Ich brauche das sofort! Ich fahre nämlich heute Abend in den Urlaub.“

Hach, ich liebe es, wenn ich eine Reihe voller Kreuzchen bekomme. Ein Bingo-Tag ist ein guter Tag!

Nein, auch wir lernen nicht aus

Nein, auch wir lernen nicht aus

Okay, wir geben es wirklich nur ungern zu, aber manchmal können wir von unseren Kunden echt noch was lernen!

Erst vor kurzem erklärte mir ein Kunde das neue Know-How bei Erkältungskrankheiten. Die Lösung ist so simpel wie genial! Einfach 2 mal pro Tag den Darm mittels eines Einlaufes reinigen, und schon sind alle Bakterien verschwunden!! Zwar gibt es keine logische Erklärung, wie dadurch Erreger der oberen (!!) Atemwege abgetötet werden, aber hey- wenns funktioniert! Schließlich wurde diese Art der Therapie einst von einem Bewohner des „Dschungel-Camps“ erläutert und praktiziert. Und das ist doch wohl eine zuverlässige Quelle!

Eine andere Kundin versicherte mir, dass selbst angerührte Zahncreme aus Kohle ihre Zähne strahlend weiß macht! Die schwarzen Krümel zwischen den Zähnen sind nach mehrmaligem Spülen verschwunden. Perfekt!!

Ach nee, doch nicht.

Ach nee, doch nicht.

„Ich brauche unbedingt dieses xy-Kraut aus dem hintersten Winkel der Walachei. Das ist ein wahres Wundermittel, Sie wissen ja sicher, was ich meine!“     

Verdammt! Warum hab ich noch nie was von diesem Wunderkraut gehört. Hätte ich doch nur in der Freizeit meine wöchentlich ins Haus flatternde Fachliteratur gewissenhaft studiert, statt mir die halbe Staffel dieser spannenden Crime-Serie reinzuziehn! Ich versuche, es am Kassen-PC unauffällig zu googeln und setze sofort alle Bestellhebel in Bewegung, schließlich wird dieses Mittel nun endlich gegen alle Beschwerden helfen und die gesamte Pharmaindustrie revolutionieren!

Nach ein paar weiteren Wochen, in denen ich mich erfolgreich um einschlägige Lektüre gedrückt hab, ist die Menschheit immer noch nicht gänzlich gesundet und ich stelle mal wieder halb enttäuscht, halb erleichtert fest: ach nee, doch nicht.